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Dernière mise à jour : 12 janvier 2007 |
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Anerkennung und Ermutigungfür die französische Liturgiewissenschaft
Das andersartige Verhältnis von Kirche und Staat bringt für die Theologie [1] in Frankreich nicht dieselben günstigen Arbeitsbedingungen mit sich, wie sie in den deutschsprachi-gen Ländern überwiegend gegeben sind. Umso wichtiger ist es, dass unter den theologischen Lehr- und Forschungsstätten Kompetenzzentren bestehen, die sich durch qualitativ hochste-hende Leistungen auszeichnen, Kräfte bündeln und gleichzeitig Impulse in die Breite geben. Das gilt auch für die Liturgiewissenschaft, die seit dem Vaticanum II ein Hauptfach der Theo-logie ist. 1 Gründung und Bedeutung des Institut Supérieur de Liturgie“War die liturgiewissenschaftliche Forschung im Kontext der Liturgischen Bewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zumeist von Klöstern getragen, so setzten bald nach dem Zweiten Weltkrieg Bemühungen um eine bessere institutionelle Verankerung des Faches und um angemessene Lehr- und Arbeitsbedingungen ein. In einer weitsichtigen Initiative wurde im Jahre 1956 in Paris eine eigene Hochschule für das Studium der Liturgiewissen-schaft gegründet, das „Institut Supérieur de Liturgie“ (ISL) am dortigen Institut Catholique. Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich dank der wissenschaftlichen Leistungen bald eine rasch über Frankreich und die frankophonen Länder hinaus bedeutende Einrichtung. Sei-ne Professoren trugen unter anderem entscheidend zur Liturgiereform des Zweiten Vatikani-schen Konzils bei, sowohl in deren Vorbereitung als auch bei der Durchführung. Die Namen des belgischen Benediktiners Bernard Botte (1893-1980), des französischen Dominikaners Pierre-Marie Gy (1922-2004) und des Brüsseler Diözesanpriesters Paul De Clerck (*1939), die mit ihrem je eigenen Profil als Direktoren diesem Institut die Richtung wiesen, stehen in der Fachwelt für eine seriöse theologisch und historisch arbeitende Liturgiewissenschaft. Seit 2001 leitet der französische Benediktiner Patrick Prétot aus der burgundischen Abtei La Pi-erre-qui-Vire das ISL mit gleicher Kompetenz ; ihm zur Seite steht ein relativ junger, gut qua-lifizierter Mitarbeiterstab für Lehre und Forschung sowie für die von der Kirche in Frankreich breit erwartete Weiterbildung und Beratung. Zwar wird auch an anderen französischen Insti-tuts Catholiques, an den staatlichen Universitäten in Strasbourg und Metz sowie an Diözesan-seminaren Liturgiewissenschaft unterrichtet, doch ist das ISL ohne Zweifel die wichtigste Lehr- und Forschungsanstalt. Wenn sich im Vergleich zu früheren Jahrzehnten viele Aufga-ben auch gewandelt haben, so ist der Beitrag des ISL zur Liturgiewissenschaft und im Dienst der des liturgischen Lebens unverändert von höchster Bedeutung. Nicht zuletzt wirken Gradu-ierte des ISL in vielen Ländern in verantwortungsvollen Positionen in Lehre und Forschung sowie in der Liturgiepastoral. 2 Kolloquium zum 50-jährigen Bestehen des ISLDas 50-jährige Bestehen des ISL wurde in der letzten Oktoberwoche (26.-28.10.) mit ei-nem Kolloquium zum Thema „Zwischen Forschung und Pastoral. Die Zukunft des liturgie-wissenschaftlichen Studiums“ gefeiert. Die Resonanz, die die Einladung auslöste, zeigte, wel-che Wertschätzung die Liturgie und die Liturgiewissenschaft in der französischen Kirche und in wissenschaftlichen Einrichtungen genießt. Rund 400 Teilnehmer, darunter etwa 20 Bischö-fe und Kardinäle aus der frankophonen Welt, fanden sich des Themas wegen, aber auch zur Unterstützung dieser Einrichtung zusammen. Viele Teilnehmer, auch unter den Bischöfen, waren frühere Absolventen des ISL, das in seiner Geschichte mehrere Hundert Liturgiefach-leute aus allen Kontinenten herangebildet hat ; darüber hinaus stieß man in erfreulich großer Zahl auf junge Gesichter von Studierenden und anderen Interessierten. [2] Die drei Tage des Kolloquiums waren von einem thematischen Dreischritt geprägt : Ging es am ersten Nachmittag um den Dialog mit der Kirchenleitung, so wurden am zweiten Tag Aufgaben und Perspektiven der Liturgiewissenschaft entwickelt und in exemplarischen Kleinstudien dargelegt. Der dritte Tag war der liturgischen Bildung und einer Aufgabenum-schreibung des ISL gewidmet. 3 Bischöfliches Bekenntnis zur LiturgiereformDer Auftakt des Kolloquiums war von einer gewissen Sorge geprägt, die sich aus der kürzlich geschehenen Zulassung des traditionalistisch gesinnten Kleriker-Instituts „Bonus Pastor“ in Bordeaux ergab ; in dem Zusammenhang sind bekanntlich von verschiedenen Sei-ten Gerüchte laut geworden, der Apostolische Stuhl wolle noch in diesem Herbst den tridenti-nischen Messritus generell zulassen. Ohne einseitig „Liturgiepolitik“ zu betreiben, legten die drei zu Wort kommenden Bischöfe ein klares Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil und seiner Liturgiereform ab und brachten ihre ernsten Bedenken gegen den befürchteten Schritt des Apostolischen Stuhls zum Ausdruck. Der Pariser Erzbischof André Vingt-Trois erklärte, dass es in dieser Frage nicht nur um den Ritus gehe, sondern dass sich mit der Ab-lehnung der Liturgiereform durch bestimmte Kreise häufig eine Ablehnung des gesamten Konzils verbinde. Dies habe zu Beleidigungen der Päpste und zu Gewalttaten geführt, etwa der widerrechtlichen Besetzung einer Kirche in Paris durch Traditionalisten (und dies seit mehr als 27 Jahren). Vingt-Trois erklärte, dass er - wie sein Vorgänger Kardinal Lustiger - um die Wiederherstellung der Einheit mit der Bruderschaft Pius V. bemüht sei, dass die Ein-heit in der katholischen Kirche aber am deutlichsten zum Ausdruck komme, wenn wirklich alle denselben Römischen Generalkalender, dasselbe Lektionar und dasselbe Messbuch ge-brauchen würden. Der Vorsitzende der Liturgiekommission der Französischen Bischofskonferenz, Erzbi-schof Robert Le Gall (Toulouse), äußerte die Sorge, eine allgemeine Freigabe des tridentini-schen Ritus könne bei den Gläubigen „zu Misstrauen, Trauer und Entmutigung gegenüber dem Heiligen Stuhl führen“. Er plädierte für eine Intensivierung der liturgischen Bildung auf allen Ebenen, die besonders eine theologische und geistliche Vertiefung umschließen müsste. Der Vorsitzende der Kommission für Liturgie und Sakramentenpastoral der Kanadischen Bischofskonferenz, Bischof Dorylas Moreau (Québec), schloss an seine Vorredner an und unterstrich eindrucksvoll die Notwendigkeit der Anpassung der Liturgie, besonders bei den liturgischen Texten. So sei etwa die Frage der inklusiven Sprache in den Gebetstexten der Liturgie, die aus dem Lateinischen übersetzt würden, nicht eine Modeerscheinung, sondern eine Notwendigkeit, die sich aus der Verflechtung der Liturgie mit Kultur und Gesellschaft ergäbe. Die drei mit reichem Beifall bedachten bischöflichen Plädoyers ließen die französische Tageszeitung „Le Figaro“ am nächsten Tag auf der Titelseite von „Spannungen“ zwischen den französischen Bischöfen und dem Apostolischen Stuhl schreiben. Erzbischof Vingt-Trois wies in einer Predigt diese mediale Interpretation zurück und sprach vielmehr von dem nöti-gen konstruktiven Dialog zwischen Universalkirche und Teilkirchen. 4 Erwartungen des Präfekten der GottesdienstkongregationMit großem Interesse erwartet wurde der Vortrag des Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Francis Arinze, dessen Teilnahme be-sonders gewürdigt wurde. Er ging nicht auf die aktuellen Diskussionen ein, sondern griff aus-gewählte Aspekte des liturgischen Lebens auf. Er unterstrich das Anliegen, die „ars celebran-di“ im Geist der Kirche zu fördern, und betonte die Bedeutung, die der Homilie als Teil der Liturgie selbst zukomme, aber auch als Unterweisung im Glauben in einer Zeit, da viele Gläubige keine andere Glaubensunterweisung mehr erführen. Des weiteren akzentuierte er die Rolle des Priesters in der Liturgie und die Unverwechselbarkeit seiner Aufgabe. Damit grenz-te er sich gleichzeitig gegen bestimmte problematische Umsetzungen der Liturgiereform ab und kritisierte „ego-zentrische“ Formen der Gottesdienstgestaltung. Die Aufgabe eines aka-demischen Instituts wie dem ISL sah er in der Ausbildung von wissenschaftlich geformten Experten, im Entgegenwirken gegen Unwissenheit und Horizontalismus in der Liturgie, im Dienst an der Förderung von Glauben und Liebe zur Kirche sowie letztlich in der Hilfe für alle Christen, sachgerecht und sinngemäß Liturgie feiern zu können. 5 Stellung und Aufgaben der LiturgiewissenschaftIm zweiten Punkt des Dreischrittes, der liturgiewissenschaftlichen Positionsbestimmung, sprach zunächst Prof. Louis-Marie Chauvet (Paris), bekannt durch seine Studien über die Sakramententheologie, über Forschungsfelder und Aufgaben, die sich der Sakramententheo-logie angesichts der theologischen Entwicklung stellen ; in seinen innovativen Darlegungen ging er konsequent von den liturgischen Feiern der Sakramente aus, wie es eine heutige Theo-logie der Sakramente tun muss. Andrea Grillo, Professor in Padua und in S. Anselmo (Rom), berichtete engagiert aus seinem Arbeitsschwerpunkt Liturgie und Anthropologie ; hier eröff-nen sich völlig neue Fragen, die frühere Generationen noch nicht im Blick haben konnten. Prof. Martin Klöckener (Fribourg, Schweiz), eingeladen wegen der guten Verbindungen zwi-schen dem Institut für Liturgiewissenschaft der Universität Fribourg und dem ISL, aber auch als Repräsentant der deutschsprachigen Theologie, referierte über den Begriff „Liturgiewis-senschaft“ [3] und das damit verbun-dene Fachverständnis und skizzierte gegenwärtige und zukünftige Forschungsfelder in dieser Disziplin. Der Lutheraner Gordon Lathrop (Philadelphia/USA), zur Zeit Vorstandsmitglied der internationalen ökumenischen Vereinigung „Societas Liturgica“, erläuterte die Herausfor-derungen, die sich daraus ergeben, dass die Liturgiewissenschaft von ihrem Wesen her öku-menisch geprägt ist. In rund 30 Ateliers präsentierten überwiegend jüngere Wissenschaftler und Wissen-schaftlerinnen exemplarische Forschungsfelder, deren thematische Vielfalt die ganze Spann-weite widerspiegelte, die sich der Liturgiewissenschaft - als Chance und als Verpflichtung - darbietet. Liturgiehistorische Themen aus West und Ost, von der Alten Kirche bis in die jüngste Geschichte hinein standen neben liturgie- und sakramententheologischen Fragestel-lungen und der Reflexion der Liturgiepastoral. Der Verfasser dieser Zeilen war vor allem von zwei ganz unterschiedlichen Studien beeindruckt : Goffredo Boselli (Bose/Italien) fragte nach der Anzahl der Konzelebranten in der Messe und versuchte eine Antwort weniger aus prag-matischen als vielmehr aus theologischen Gründen ; Hélène Bricout, Dozentin am ISL, ging der Problematik der „Spender des Sakramentes der Ehe“ aufgrund der liturgischen Quellen mit besonderer Rücksicht auf die kürzlich veröffentlichte Neuausgabe des französischen Trauungsrituale nach. 6 Aufgaben liturgiewissenschaftlicher BildungAm letzten Vormittag wurden Aufgaben liturgiewissenschaftlicher Bildung ergründet. Der amerikanische Regens und Liturgiewissenschaftler Douglas Martis (Chicago) befasste sich mit dem Thema „Priester zu Liturgen ausbilden“, Archimandrit Job Getcha vom Institut Orthodoxe St-Serge (Paris) mit der Liturgie in der orthodoxen Theologenausbildung. Der ge-wichtige Schlussvortrag fiel Patrick Prétot zu. Aufbauend auf den Arbeiten seiner Vorgänger als Direktoren des ISL referierte er mit großer Klarsicht über die Aufgaben einer Liturgie-hochschule zwischen Forschung und liturgischer Praxis, und dies angesichts der im Vergleich zur Konzilszeit stark veränderten Situation von Kirche und Gesellschaft mit den neuen Her-ausforderungen der Globalisierung, der Krise der Glaubensüberlieferung und den neuen Le-benswelten, die durch die Medien und das Internet auch für die Liturgie geschaffen werden. Der Einsatz in der Forschung sei genauso notwendig wie das Arbeitsfeld „former en liturgie“, das alles aber getragen von der Fähigkeit und Bereitschaft, in der Welt auf Gott zu hören, wo-für gerade die Liturgie der angemessene Raum sei. Es sei eigens vermerkt, dass neben der ansprechenden wissenschaftlichen Arbeit das Kolloquium von einer unverkennbar positiven Stimmung getragen war und dass ein berei-cherndes Einvernehmen zwischen Bischöfen und den Fachvertretern der Liturgiewissenschaft deutlich wurde, geprägt von gegenseitiger Achtung und Vertrauen. Den Verlauf dieser Ta-gung darf das ISL als hohe Anerkennung seiner Arbeit verstehen ; mit einer solchen Ermuti-gung kann man in Kirche und Theologie gut der Zukunft entgegengehen. [4] [1] Compte-rendu du colloque publié dans Gottesdienst (21 décembre 2006), p. 185-187. [2] Zur Zeit studieren rund 50 Frauen und Männer am ISL, 40 % davon kommen aus dem Ausland. [3] Im Französischen gebraucht man oft einfach „liturgie“, wenn das Studienfach gemeint ist, seltener Begriffe wie „science liturgique“ oder ähnlich. [4] Die Beiträge sol-len demnächst in einem Tagungsband publiziert werden. © 2001-2007 Catho-Theo.net
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